Ibbenbüren / Kreis Steinfurt Praxisnahe Experimente, beeindruckende Einblicke in die Brandentwicklung und wertvolle Erkenntnisse für den Einsatzdienst standen am Samstag, 10. Oktober 2026, im Mittelpunkt einer Fortbildungsveranstaltung des Verbandes der Feuerwehren im Kreis Steinfurt (VdF Steinfurt). Über 100 Feuerwehrangehörige nahmen in der Feuer- und Rettungswache Ibbenbüren am Experimentalvortrag „Strömungspfade bei Bränden in Gebäuden“ teil.
Wie verhalten sich Rauch, Hitze und Brandgase innerhalb eines Gebäudes? Welche Auswirkungen hat das Öffnen einer Tür oder eines Fensters auf die Brandentwicklung? Und welche Gefahren können dadurch innerhalb kürzester Zeit für Einsatzkräfte im Innenangriff entstehen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen lieferte ein anschaulicher Experimentalvortrag, zu dem der VdF Steinfurt eingeladen hatte. Das große Interesse an der Veranstaltung zeigte sich bereits an der Teilnehmerzahl: Mehr als 100 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner aus dem Kreis Steinfurt nutzten die Gelegenheit, ihr Wissen über Branddynamik zu erweitern und wichtige Erkenntnisse für den Einsatzdienst zu gewinnen.
Als Referent konnte mit Jürgen Buil von der Feuerwehr Kleve, Vorsitzender der „Arbeitsgruppe Realbrandbekämpfung“ sowie erfahrener Dozent und Realbrandausbilder, ein ausgewiesener Fachmann für Branddynamik und realitätsnahe Feuerwehrausbildung gewonnen werden.
Wenn Strömungen zur Gefahr werden
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Verständnis sogenannter Strömungspfade. Diese entstehen durch die Bewegung von Luft, Rauch und heißen Brandgasen innerhalb eines Gebäudes und können die Entwicklung eines Brandes maßgeblich beeinflussen. Besonders eindrucksvoll wurde deutlich, wie stark sich das Brandgeschehen durch veränderte Belüftungsverhältnisse entwickeln kann. Bereits das Öffnen einer Tür oder das Zerbrechen einer Fensterscheibe kann die Strömungsverhältnisse verändern und einem Brand zusätzlichen Sauerstoff zuführen. Für Einsatzkräfte, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Gebäude befinden, können daraus erhebliche Gefahren entstehen.
Zahlreiche Live-Experimente machen Brandverhalten sichtbar
Das Besondere an der Fortbildung war die Verbindung von theoretischen Grundlagen mit zahlreichen praktischen Experimenten. An Modellen im Labormaßstab demonstrierte Jürgen Buil unterschiedliche Brandszenarien und machte die Entstehung sowie die Auswirkungen thermischer Strömungspfade unmittelbar sichtbar. Mithilfe von Kameras wurden die Versuche für die mehr als 100 Teilnehmenden gut erkennbar übertragen. Dadurch konnten selbst kleinste Veränderungen der Rauch- und Wärmeausbreitung beobachtet und gemeinsam analysiert werden.
Die Experimente zeigten eindrucksvoll, wie dynamisch sich ein Brand entwickeln kann und welche entscheidende Rolle die Luftzufuhr dabei spielt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass vermeintlich einfache Maßnahmen an einer Einsatzstelle erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit der vorgehenden Einsatzkräfte haben können. Ergänzt wurden die Live-Versuche durch zahlreiche Videoaufnahmen, Einsatzbilder und Grafiken aus realen Brandereignissen. Anhand dieser Beispiele erläuterte der Referent die Zusammenhänge zwischen Brandentwicklung, Belüftung und taktischem Vorgehen.
Wertvolle Erkenntnisse für den Innenangriff
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse in die tägliche Einsatzpraxis. Dabei ging es insbesondere um das frühzeitige Erkennen gefährlicher Strömungsverhältnisse, die richtige Einschätzung der Brandentwicklung sowie um taktische Maßnahmen zur Vermeidung zusätzlicher Gefährdungen. Die Teilnehmenden erhielten zahlreiche Hinweise, wie sich die Erkenntnisse aus der Branddynamik bei der Erkundung, der Menschenrettung und der Brandbekämpfung berücksichtigen lassen. Deutlich wurde dabei auch, dass ein sicherer Innenangriff nicht allein von der richtigen Anwendung der Löschtechnik abhängt. Vielmehr sind das Verständnis der Brandentwicklung, die Beobachtung der Rauchbewegung und ein abgestimmtes taktisches Vorgehen entscheidende Voraussetzungen für die Sicherheit der Einsatzkräfte.
Großes Interesse an praxisnaher Fortbildung
Mit mehr als 100 Teilnehmenden stieß die Veranstaltung auf eine erfreulich große Resonanz. Die hohe Beteiligung unterstrich das Interesse der Feuerwehrangehörigen an praxisorientierten Fortbildungsangeboten und aktuellen Erkenntnissen zur Sicherheit im Einsatzdienst. Mit der Veranstaltung setzte der Verband der Feuerwehren im Kreis Steinfurt seine Bemühungen fort, den Feuerwehrangehörigen im Kreisgebiet hochwertige Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Die Kosten des Seminars wurden vom VdF Steinfurt übernommen. Die Teilnehmenden beteiligten sich lediglich mit einem Eigenanteil an der Verpflegung. Der Verband unterstreicht damit die Bedeutung einer kontinuierlichen Aus- und Fortbildung. Gerade bei komplexen Einsatzlagen wie Gebäudebränden ist es wichtig, aktuelle Erkenntnisse aus Forschung, Ausbildung und Einsatzpraxis in die Feuerwehren zu tragen.
Ein lehrreicher Tag mit nachhaltigem Nutzen
Nach rund fünfeinhalb Stunden endete eine abwechslungsreiche Fortbildungsveranstaltung, die den über 100 Feuerwehrangehörigen zahlreiche neue Einblicke in die komplexen Abläufe eines Gebäudebrandes vermittelte.
Die Kombination aus wissenschaftlichen Grundlagen, anschaulichen Experimenten und konkreten taktischen Handlungsempfehlungen machte den Experimentalvortrag zu einer wertvollen Ergänzung der örtlichen Feuerwehrausbildung.
Der VdF Steinfurt bedankt sich bei Jürgen Buil für den fachlich fundierten und anschaulichen Vortrag sowie bei der Feuerwehr Ibbenbüren für die Unterstützung und die Bereitstellung der Räumlichkeiten.